HUMAN ZOO Wolfgang Unger

In Zeiten, in denen auch gegen unerwünschte menschliche Stadtbewohner temporäre Aufenthaltsverbote an vermeintlich öffentlichen Orten ausgesprochen werden, verspricht eine zoopolitische Transspezies-Perspektive neue Erkenntnisse: So arbeiten God’s Entertainment mit der Hypothese, dass soziale und materielle Kontroll- und Ordnungsmechanismen einen Transfer von Tier zu Mensch erleben. Von Tauben-Spikes und Tauben-Netzen war es kein weiter Weg zu Parkbänken, auf denen Obdachlose nicht mehr liegen konnten: Gegen denKörper gerichtete Erschwerungen des Aufenthalts – oder wie im Zoo zur Verhinderung der Flucht – bleiben fast unsichtbar, könnten aber gerade dadurch kaum brutaler sein. 
Das Wiener Performancekollektiv wird für die Dauer von ZOO 3000 einen HUMAN ZOO errichten, in dem menschliche Randgruppen ausgestellt werden. Die performative Installation versucht durch die Abbildung des Originals den Kreislauf der Stereotypen zu durchbrechen. VIDEO

In Koproduktion mit Kampnagel | donaufestival

Gefördert von: A Space for Live Art, GD Bildung und Kultur - Programm "Kultur", Kulturstiftung des Bundes | Mit freundlicher Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien | photo @ Wolfang Unger


 Im zeitgenössischen Theater gibt es eine starke Tendenz, die die in Richtung Zirkus weist.

Der Vorhang geht auf, der Zirkusdirektor begrüßt das Publikum und kündigt die Nummern an. Dabei steht immer schon vorher fest, wie die Attraktionen sein werden. Es treten auf: Die witzigen Clowns, die atemberaubenden Seiltänzer, die herzergreifenden Sänger und der geheimnisvolle Zauberer. Wie einfach, wie simpel, wie langweilig. Schon vorher ist festgeschrieben, wie die Zuschauer die Nummern finden sollen. Die Clowns animieren zum lachen, die Sänger sind herzergreifend, die Seiltänzer atemberaubend und der Zauberer erzeugt Verwunderung. Auf ähnlich festgelegten Pfaden bewegt sich ein Großteil des zeitgenössischen Theaters. Zeitgenössisches Theater sollte diese durchgetretenen Trampelpfad verlassen. Performance-Theater sollte eher wie ein ambitionierter Zoo sein.

Ein Zoo besteht aus vielen Bühnen, inszenierte Gehege, nachgeahmte Natur. Die Tiere liefern keine Show ab, sie sind einfach. Herausgerissen aus Ihrer natürlichen Umgebung, stehen sie bereit um betrachtet und beobachtet zu werden. Der Zoo inszeniert ein fremdartiges und melancholisches Panorama. Es gibt keine Nummernrevue, sondern nur nachgeahmtes Leben. Künstliche Exotik.

Zoo-Theater setzt bei der Raubtierfütterung an und stellt die Frage was passiert, wenn die Gitter und Gräben eingerissen werden und die gefährlichen Tiere auf die niedlichen Geschöpfe anderer Kontinente treffen. Zoo-Theater behauptet einen Ausnahmezustand. Die Gefangenen erheben sich und verlassen ihre Gefängnisse, der Aufstand beginnt als Spaziergang. Nikola Duric

 

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