God’s Entertainment machen WUK zum KONAK*zahlreicher Völker und Konfessionen, zu einem brodelnden Begegnungsraum, in dem sich nicht nur die Wege, sondern auch die Klingen von Okzident und Orient kreuzen. Als Zwischenweltler übernehmen sie die Dolmetscherrolle, um zwischen auseinander-getriebenen Welten, die sich plötzlich nicht mehr verstehen (und dabei so tun, als hätten sie sich niemals verstanden oder voneinander gelernt), eine Art Junktim zu schaffen, eine Verbindung, in der beide Seiten einander bedingen. Statt zu erklären, worin die Unterschiede zwischen Morgen- und Abendland liegen, schaffen sie ein imaginäres Zuhause aller Hierhergeworfenen, in dem das Anderssein nivelliert wird. Anhand des Romans »Wesire und Konsuln« von Literaturnobelpreisträger Ivo Andric, in dem der Balkan als Zone des Dauerkonflikts zwischen Orient und Okzident beschrieben wird, werden Kontexte und Situationen geschaffen, in denen Identität in Bewegung gerät, der Gast zum Einwohner wird und umgekehrt, denn: Niemand weiß, was es heißt, die eine wie die andere (Welt) zu lieben und zu hassen, so hin und her zu wanken und zu taumeln ein Leben lang, eine doppelte und keine Heimat zu haben, überall zu Hause zu sein und ewig ein Fremder zu bleiben, kurz: zu leben, an das Kreuz genagelt, Opfer und Folterknecht in einer Person.

Wo leben wir eigentlich, wie entstehen kulturelle Zuordnungen und wie kann man die etablierten Verhältnisse über den Haufen werfen? God’s Entertainment schaffen ein phantastisches Balkandorf – eine selbstbewusste Randzone. Mehr eine Situation, als eine abgeschlossene, normative Geschichte. Hier herrscht Gastfreundschaft, auch wenn sie zuweilen etwas seltsam erscheint. Ganz präzise schaffen es God’s Entertainmetn, Atmosphären der Verunsicherung und des Befremdens zu kreieren. Es entsteht eine plausible Gegenwelt zu den aktuellen Verhältnissen, die einem ziemlich passend erscheint als Vorbild für die gesellschaftlichen Realitäten in unserer migrantisch geprägten globalen Lebensrealität, die ja auch ein Raum der Vermittlung, Vermischung und Entgrenzung verstanden werden kann. God’s Entertainment sagen über sich selbst, dass sie Lust haben, unbequem zu sein. Diese Lust können wir an diesem Abend miteinander teilen und darin ganz neue Möglichkeiten des Miteinanders finden. Denn der Rand, er liegt in uns allen.

 

03. 05. 06. November 2018. | PiFT | Münchner Kammerspiele

Mit und von God’s Entertainment | Photo © God’s Entertainment
Mit freundlicher Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien - MA7 | Gefördert von Kulturbehörde Hamburg und Rudolf Augstein Stiftung. Das Projekt wurde im Rahmen von Szenenwechsel, einem Programm der Robert Bosch Stiftung und des Internationalen Theaterinstituts, gefördert. | In Koproduktion mit Kampnagel Hamburg und WUK Wien.