GOD'S ENTERTAINMENT

 

 

God's Entertainment_BIO

God's Entertainment ist das Kollektiv einer der vielen experimentell arbeitenden Theatergruppen in Österreich, das über (Theater-)Konventionen zu transzendieren versucht. GE arbeitet in den Bereichen Performance, Happening, Visual-Art und Sound. Die Gruppe versucht kontinuierlich die Form der Performance neu zu definieren, die heute nicht mehr als Relevanz im zeitgenössischen Theater und anderen Medien zu finden ist. Ihre Arbeit steht in Konfrontation mit der politischen und kulturellen Identität Österreichs. Dies wird ständig als Kritik des sozialen Umfelds in verschiedenen Bereichen verstanden und in ihren Werken aufgezeigt. Als Spielfeld nützt GE nicht nur die Theaterbühne für Performances, Aktionen finden laufend in der Öffentlichkeit statt. Als wichtigster Punkt kann das Einbeziehen des Publikums gesehen werden, das die meisten ihrer Arbeiten prägt.

 

 

Das künstlerische Kollektiv God’s Entertainment aus Wien unterwirft aktuelle Themen einem performativen Forschungsprozess und entwickelt hierfür neue Formate. Ihre Arbeiten bewegen sich in den Bereichen Performance, Happening, Visual-Art und Sound. So wie ständig neue Mitglieder aus künstlerischen, wissenschaftlichen und anderen Lebensbereichen dazu stoßen, zeichnen sich die Stücke durch Experimentierfreude aus. Die große Qualität von God’s Entertainment liegt in ihrer Tätigkeit, Dinge beim Wort zu nehmen. 
Sie sind dabei sehr nette junge Menschen, die sobald sie ein Projekt begonnen haben, sich verändern. Wenn God’s Entertainment „Fight Club“ auf die Bühne bringen, interessieren sie sich nicht für die Narration, sondern nehmen den Titel wortwörtlich. Menschen prügeln sich und andere Menschen setzen Geld darauf. Privat und in ihrer Arbeit bewundern sie die Arbeit von Christoph Schlingensief. Sie spüren Klischees auf und untersuchen sie auf ihren Wahrheitsgehalt. Wenn sie „Woyzeck“ zum Thema haben, suchen sie nach Häftlingen, die gerade aus der Haft entlassen wurden. Oder wenn sie eine „Publikumsbeschimpfung“ nach Peter Handke machen, dann als „Passantenbeschimpfung“ am Drogenumschlagsplatz in der Wiener Karlsplatzpassage.
Als radikale Performancegruppe sind sie ein wesentlicher Bestandteil der Freien Szene und des Europäischen Theaters. Sie sind der nötige Zerrspiegel im immer fescher werdenden Wien. |Matthias Lilienthal Künstlerischer Leiter/Geschäftsführer Hebbel am Ufer |

 

 

Nur wer das Theater hasst, kann Theater lieben! Diesen oder einen ähnlichen Spruch könnten wir auf die imaginären Fahnen des in Wien arbeitenden und lebenden Performance-Kollektivs God´s Entertainment nach mittlerweile mehr als sechsjähriger Präsenz in der Stadt schreiben. Angetreten sind sie ihren „Feldzug“ gegen „das Theater“ mit einem extrem ikonoklastischen Ansatz: Feindbilder waren der literarische Text, das Stück als zeitlich, räumlich örtlich und inhaltlich begrenztes Wirkungsfeld, das einseitig strukturierte Verhältnis zwischen PerformerIn und Publikum etc. Entstanden sind neuen „Bühnen“ in Form von skurrilen Clubs, Kampfarenen, Interaktionen in öffentlichen und medialen Räumen, Containerdörfern, Bustouren und dergleichen. Und dabei waren und sind alle Arbeiten von gesellschaftspolitischer Relevanz durchdrungen. Wenn auch mal nicht explizit, dann auf subkutane Weise umso stärker. Der bewusste Einsatz von Trash-Elementen, getragen von einer grandiosen DIY-Ästhetik, verführt dazu, God´s Entertainment als Theater gewordene Camp-Philosophie zu begreifen. Das performative Setting und die performative Behauptung locken scheinbar niederschwellig mit eben den Elementen Trash, Party, Club, DIY auch ein normalerweise Theater resistentes Publikum in performative Kraftfelder: was die einen zunächst nicht als Theater wahrnehmen, lässt ein Theater affines Publikum oftmals entweder im Dunklen darum, ob und wann das Ganze nun „das Stück“ sei, oder lässt uns überhaupt vergessen, dass wir so etwas beiwohnen, was wir gemeinhin mit „Theater“ bezeichnen. Diese Herangehensweise und das Einbinden von gesellschaftlichen Gruppen (ob aktiv oder zufällig) in den Schaffensprozess, lassen soziale Plastiken entstehen, die unglaublich leicht und flockig daherkommen, deren inhaltlicher Unterbau aber immer von brennenden gesellschaftspolitischen Themen und Situationen getragen ist. Es ist eben nicht nur Entertainment, es ist God´s Entertainment: Theater als Camouflage! Hier wird Theater herunter gebrochen aufs Wesentliche, dort hin getragen, wo es noch wirken kann, hier wird die Idee des Performativen als Teil des Lebens begriffen! Ob bei den „Eigenkreationen“ oder den nicht minder kreativen Auseinandersetzungen mit Werken der Theaterliteratur (Hamlet, Publikumsbeschimpfung oder Woyzeck) erzeugen God´s Entertainment ein Feedback-Schleifen-Gewitter: zwischen PerformerInnen und Publikum (wenngleich da die Grenzen längst eingerissen sind), zwischen Menschen, gesellschaftlichen Gruppen/ethnischen Gruppen, zwischen Köpfen und Bäuchen... Und dabei sind sie - ganz unwienerisch - sehr schnell! Wenn ein Thema die nötige Brennkraft hat, wird es in kürzester Zeit umgesetzt. Hoffentlich werden God´s Entertainment nicht einmal zu schnell für eine Stadt, deren gesellschaftliches wie kreatives Klima im Moment ganz gerne chillt und bummelt. Doch es liegt an Wien, an uns, sie hier zu behalten und von ihrem Tempo und ihrer Kraft zu profitieren. In Berlin (und nicht nur dort) hat man die Qualitäten der radikalen PerformerInnen bereits längst zu schätzen gelernt! |Tomas Zierhofer-Kin – künstlerischer Leiter des donaufestivals|