FR.EILAND

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Fr.Eiland ist ein aus der wissenschaftlichen Performance- und Workshopreihen zum Thema „Utopische Räume“ und ihre Wege zu demokratischen Verwirklichungen. 

Fr.Eiland wurde zu einer von BEST OFF 2012 Arbeiten der Kuntsuniversität Linz. Die Arbeit wurde in der Tabakfabrik Linz aufgestellt. Mehr unter ufg 

LAUTOMAT ist noch eine Folge aus der bereits konzipierten  Workshopreihen "Hütten der Sehnsucht", entstanden zusammen mit den Studierenden in Leipzig, in Koproduktion mit D21 Kunstraum Leipzig

 

Hütten der Sehnsucht 

Leitbild und Ausgangpunkt der Workshopreihe
Wenn das Zusammenleben heutzutage am Rande der Globalisierung als Modell unter dem Dach einer utopischen Hütte mit politisch-erkämpfter Souveränität und sozial-präsenten Statut aussehen sollte, ist allerdings diese Hütte in Besitz einer Mikronation. Auf der Suche nach einer idealen Lebenskultur entstanden und entstehen hunderte Do-It-Yourself Hütten, gekennzeichnet als Staaten mit ihren eigenen kleinen Welten. Sind aber diese Hütten nun mehr gemeint als a) alternative Wege des Zusammenlebens oder als b) politische Praxis einer souveränen demokratischen Gesellschaft, oder c) aus rein geistlichen Bedürfnissen nach einer eigenen Insel mit dem Königsreich á la yourself?

 

Das erste Modell spiegelt die Wege zu realen Gemeinschaften und Territorien mit ihren engmaschigeren Lebensprinzipien und Visionen gegenüber der globalisierten Weltordnung und Regeln. Manche Hütten davon versuchen ihre Situation durch Offenheit zu anderen Menschen als Räume für alternative Lebenseinstellung, die in der Regel keiner anderen Welt unterordnet wird, darzubieten. Diese Einstellungen magnetisieren solche Menschen, die davon träumen, eigene Regeln und Bedürfnisse wie ihre Lebensauffassungen innerhalb des gesetzlosen abgegrenzten Territoriums durchzusetzen. Innerhalb von diesem Territorium leben alle unter selben Bedingungen, Freiheit und ernähren sich von der Gemeinschaftsküche. Als solche autonome Kommunen zählen wir heute über hunderte weltweit. Ihr Ziel kann beispielsweise Fristad Christiania als Land der Siedler vorgesehen werden: Das Ziel von Christiania ist das Erschaffen einer selbst-regierenden Gesellschaft wo alle und jede Person selbst für das Wohlergehen der gesamten Gemeinschaft verantwortlich ist. Unsere Gesellschaft soll ökonomisch selbsttragend sein und, als solche, ist es unser Bestreben unerschütterlich in unserer Weltanschauung zu sein, dass psychologische und physische Armut verhindert werden kann. |Jacob Ludvigsen, Mitgründer 1971|

Dem zweiten Modell entsprechen ähnliche Gemeinschaften, mit stark geprägten politischen Praxen und Formen der Freiheit. In solchen Hütten der Gegenwart wohnen die Menschen, die aus unserem Alltag ausbrechen und ein völlig neues Leben jenseits aller Konventionen und Zwänge beginnen zu praktizieren. In diesen herrscht neben der Autonomie auch der Traum vom Utopia, in dem die Bürger in einer Demokratie nicht als kleine Nummern zählen, sondern als diejenige, die zu eigener Eigensinnigkeit, Individualität und zu eigenen Bedürfnissen stehen. Solche soziale Körper kämpfen um Sehnsucht nach freier Selbstbestimmung, gravierender zivilgesellschaftlichen Praxis und Anerkennung. Ihre Räume bauen sie per definitionem als unabhängiges Territorium mit fixem Regelwerk, fixer Einwohnerschaft sowie dem Willen mit der Außerwelt in Austausch zu treten, inklusive eigener Nationalhymne, Ehrenzeichen, Flagge, Briefmarken, Münzen etc., möglich alles was einen Staat bezeichnet. Beispielsweise kann man hier unter anderem von der Hutt-River-Provinz oder von Sealand und ihren wirtschaftlichen Freihandelszonen sprechen. Nachdem die utopischen Ideale in der heutigen Konsumlogik zu einem ähnlich hohlen Begriff wie den der Liebe verkommen sind, lassen sich diese Hütten immer mehr als Entwicklungspraxen möglichen Zusammenlebens innerhalb der staatlichen Autarkie herbeisehnen. Unter diesen Formen der Freiheiten versuchen Hüttenbewohner ihre Ideale des antagonistischen Lebens gegenüber der Nationalstaaten zunehmend verorten. An dieser Stelle wäre eine der bekanntesten Formen: Freiheit ist etwas, was man nicht kennt, bevor man sie verliert |Prinz Michael von Sealand|

Das dritte Modell umreißt die Bedürfnisse nach einer Selbstdeklarierung und Selbstregierung innerhalb von multifunktionalen Hütten. Die Träume solcher Utopien, ein besseres Leben im irdischen Paradies zu finden, sind mehr oder weniger die bewussten Überlebenskünste binnen eines kollabierten Weltfinanzsystems, wie die Hüttenbewohner es nennen. Beispielsweise ist eine von diesen utopischen Staaten die schwimmende und von Holz zusammengesetzte Floßburg namens Swimming Cities. Chicken John, der Chefkonstrukteur der schwimmenden Städte von Serenissima, erklärt am besten was der Reiz und die Sehnsucht solcher Utopien ist: Das ist doch witzig. Du parkst einen Haufen Scheiße direkt neben jemanden mit einer 2-Millionen-Dollar-Yacht. Hier geht es nicht um neue Formen des Zusammenlebens, sondern einfach um den Spaß an der Sache. Freiheit ist hier die Freiheit, ohne Geld etwas Ungewöhnliches zu schaffen. Etwas, das noch keiner gemacht hat. Das bist du. Das bin ich. Der Staat bin ich. Die Welt bin ich. Das Imperium, alles, bin ich allein. Tatsächlich werden solche Utopien auch dann noch funktionieren, wenn die Weltwirtschaft zusammenbricht, die 2-Millionen-Yacht daneben nicht mehr. Vielleicht unter dem Motto: Einmal der König sein auf der eigenen Insel.

 

Forschungsfragen
Mikronationen gelten in kürzestem Sinne als Utopien mit ihren Idealen, die nach selbstbestimmten autonomen Räumen suchen, in welchen das Gegengift für neoliberale Globalisierung konsequent wirkt. Als soziale Experimente betreiben Mikronationen ein Bild von Menschen, welche den Herrschaftsanspruch eines neuen Staats visieren.
Warum entsteht diese Sehnsucht nach neuen Formen der Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung des
Territoriums, des Zusammenlebens, der Kultur, etc. bzw. was ist denn falsch an unserer Gesellschaft und
unseren Werten warum wir neue Räume als Träume des Utopias anstreben, und uns als souveränen Staat
oder Imperium gegenüber dem Bestehenden zu deklarieren versuchen?
● Wie können wir utopische Räume nach unseren Bedürfnissen in unmittelbaren Umgebungen künstlerisch zu
positionieren versuchen?
Sind Institutionen und ihre wissenschaftlichen Praxen in der Lage, sich unabhängig zu machen?
Spielt das Geld eine Rolle dabei?
Wie und warum bauen wir unsere Hütten und vor allem vom wem wollen wir sie abgrenzen?
Schließlich, welche Recyclingmethoden wenden wir als wirtschaftlicher Faktor bei der Herstellung an?


Unsere Workshops nehmen das zum Untersuchungsgegenstand - um mit kleinen Gruppen von etwa 15-20 TeilnehmerInnen innerhalb von jeweils 10 Tage ausrecherchiert, performativ und wissenschaftlich zu arbeiten. Ein erster Versuch entsteht bereits mit Studierenden an der Kunstuniversität Linz. Die Teilnehmer werden mit God’s Entertainment solche utopischen Räume, ausgehend von zeitgenössischen Perspektiven der zivilgesellschaftlichen Praxis, erforschen und darauf eine experimentelle Plattform für wissenschaftliche Themen entwickeln, die anschließend dementsprechend präsentiert und publiziert werden. Diese „wissenschaftlichen Gebiete“ erstrecken sich von universitären Partnern über Kunstpraxen bis zur freien Theaterszene, welche in ihren jährlichen Programmierungen des Öfteren gerne zu wissenschaftlichen Workshops tendieren.

 

In Koproduktion mit der Kunstuniversität Linz und Dr. Sabine Pollak