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Die Neue Theaterordnung

Friday, 11.09.2009 08:03 | | Comments 0

Einen Strich, einen Durchstrich, Burgtheater, streichen, Akademietheater, streichen, Tanzquartier, streichen, Brut, streichen, WUK, streichen. Alles streichen, in blau und in rosa, in grün und in braun, in schwarz und in rot. Aber mit Bic-Kulli, man will ja sparen.


Die Neue Theaterordnung

Eine gute Nachricht: Das Wuk hat heuer erstmals eine Subvention als Theater Kooperations-Haus erhalten.
Eine gute Nachricht: God’s Entertainment ist hier.
Eine gute Nachricht: Sie sind hier.

Gute Nachrichten, gute Orte, gute Theater-Intendanten, gute Theatergruppen, gutes Publikum – gutes Theater!
Gutes Theater zur rechten Zeit ist besser als Öl.
Gutes Theater? Was führ‘n wir denn hier auf? Was führt’s ihr denn hier auf?

Haben wir überhaupt einen Plan? Ja, natürlich nicht! Denn unsere Pläne sind gewichtig und kraftvoll, aber die Ausführung ist schwach und verächtlich. Wo das Theater aufhört und God’s Entertainment anfängt, da hört sich alles auf. Wie bei einem unterbrochenen Zeugungsakt, steht das Publikum meist wortlos vor diesen unvollendeten Schöpfungen und weiß nicht viel damit anzufangen. Ist das Party-Klub, Arena oder gar Kirche? Dieser Verbindungsstrom von Mensch zu Mensch? Diese geheimnisvolle Strömung, drunter und drüber, drinnen und draußen. Alles leeres Spiel, blanke Langeweile. So gut sind wir? Verzweifelt auf der Suche nach Zuspruch von bedürftigen Menschen.Ein Leben, zwei Leben, drei Leben – wie viele Leben denn noch? Das geht ja auf keine Kunsthaut und in keinen Kunstraum. So mühen wir uns weiter von Entscheidung zu Entscheidung, kleine und winzige Entscheidungen, Aberhunderte, jeden Tagund denken mit Lust ins Leere. Bis uns endlich ein Luster leuchtet.
Ein Dreschflegel für das Publikum! Wer will, wer soll ihm winken? Wer will das schlummernde Publikum wecken, wer will es wachrütteln? Sind wir da beim Zirkus, oder was? Sind wir da im Schlachthaus, oder was? Sind wir in der Geriatrie, oder was? Nein, Endosmose. Film-Klub. Alphabeten-Klub. Das kommt auch noch.
Jetzt macht Platz dem idealen Schauspieler, dem idealen Performer, dem idealen Publikum. Raus, alle miteinander! Raus, raus! Hört auf, dieses Haus zu einem Schau- und Spielhaus zu machen! Aber das Grauen hat sich aufgelöst und eine neue Theaterordnung hat sich genaht. Alle Theater vereinigen sich, nutzen die Gelegenheit, die lang versprochene neue Theaterordnung zu verwirklichen! Die Scharmützel und Kriege untereinander, einstürzende Hochhäuser sind bloß Ausrutscher, die die gesamte Theaterwelt nur noch mehr in dem Entschluß bestärkt, eine friedliche Theaterwelt zu schaffen. Aber sie wissen, wir stehen vor großen Problemen. In einer entarteten Welt, wie es die unsrige ist, fehlt es bedauerlicherweise an Vertrauen. Man stößt stattdessen auf Habgier und Korruption. Auguren behaupten bereits warnend „Niemand soll sich der Theater-Illusion hingeben, daß die viel gepriesene neue Theaterordnung schon da oder auch nur nahe sei. Viele sagen hier ist sie oder dort ist sie. Glaubt ihnen nicht.“

Die Suche nach einer neuen Theaterordnung ist offensichtlich nicht einfach. Wird sie von Erfolg gekrönt sein? Ist sie denn überhaupt nötig? Publikum, Schauspieler, Performer, Dramaturgen, Dichter, Regisseure, kurz Theater – Kann denn das noch was? Oder – alles streichen? Einen Strich, einen Durchstrich, Burgtheater, streichen, Akademietheater, streichen, Tanzquartier, streichen, Brut, streichen, WUK, streichen. Alles streichen, in blau und in rosa, in grün und in braun, in schwarz und in rot. Aber mit Bic-Kulli, man will ja sparen.
Hier stocke ich. Beim Sparen und Streichen. Ach, bloße Selbsterhaltung. Greift mir sonst wer an die Eier?

Nur als ob? Ein Als-ob-Theater, egal was, wann und wie. Theater nebenbei, zwischendurch, weil’s unbedingt sein muss. Als-ob-Publikum, Als-ob-Performance. Alle hier Als-Obler und Als-Oblerinnen. Alle zu einem Schauspiel gewordene Obleronen. Brich dir ein Eck. Schmeckt’s gut?
In diesem Sinne, sei die aktuelle Wiener Theatersaison eröffnet – so als ob.
Und wer will, kann mit mir mit einem Obstler darauf anstoßen.




© GE_David Jagerhofer

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